Nofretete, ca. 18 cm hoch.
***
Nofretete (im englischen Sprachraum Nefertiti, eigentlich Nafteta:, das heißt „Die Schöne, die da kommt“) war die Hauptgemahlin des Pharao Echnaton (Amenophis IV.). Bekannt wurde sie durch die Büste aus Kalkstein und Gips, die in Berlin zu sehen ist.
Herkunft
Es wird immer gesagt, dass ihr Name, „die Schöne, die da kommt“, auf eine ausländische Abstammung hindeutet. Dies ist erwiesenermaßen falsch; der Name geht auf einen altägyptischen Mythos zurück. Nofretete stammt aus einer nebenköniglichen Linie in Achmim, aus der auch schon die Königsgemahlin Teje stammt.
Leben
Heirat mit Echnaton
Im Alter von 19 Jahren soll sie den damals erst 14-jährigen Echnaton geheiratet haben und gebar ihrem Mann sechs Töchter (Anchesenpaton, Meritaton, Maketaton, N-Neferutaton, N-Neferure und Setepenre) aber keinen Erben. Nofretete und Echnaton waren die ersten Pharaonen und wahrscheinlich die ersten Herrscher überhaupt, die ihr Privatleben öffentlich gemacht haben. Dies geschah durch die Darstellung liebevoller Szenen der Beiden, durch Familienszenen mit ihren insgesamt sechs Kindern, stets beschützt durch die Sonnenscheibe des Aton, der seine Strahlen auf das Paar wirft. Nofretete und ihr Gatte Echnaton wurden die Repräsentanten des neuen Hauptgottes auf Erden, die keiner großen Priesterkaste mit hoher Priesterschaft und Oberpriestern bedurften. Die einzigen Priester sind der Pharao und seine Frau. Eine besondere Nofretetedarstellung auf drei Steinblöcken wird heute von Forschern als Beweis dafür angesehen, dass sie selbst Echnatons Hohepriesterin war.
Nofretete als Mitregentin
Die generell starke Position der Frau im alten Ägypten wurde unter Echnaton für Nofretete besonders gesteigert. Sie wurde zu einer Art weiblichem Mitregent gemacht, und zumindest symbolisch mit der pharaonischen Macht ausgestattet. Der berühmte blaue Helm auf der Büste bildet den Cheperesh ab, einen Kriegshelm. Sie wurde auch mehrfach in pharao-typischen Szenen, wie z.B. Kriegsführung oder dem Niederschlagen der Feinde dargestellt. Sie wurde in den Felsengräbern von Amarna zusammen mit Echnaton mehrfach in einer Art abgebildet, dass heute Forscher sogar eine Art dominierende Mitregentschaft von Nofretete in den späten Regierungsjahren von Echnaton annehmen.
Nofretete als Nachfolgerin von Echnaton
Eine immer wahrscheinlichere Theorie ist, dass sie Echnaton entgegen allen bisherigen Annahmen überlebt hat und nach ihm den Thron bestieg. Die Darstellungen von Nofrete in pharaonischen Kontexten (s.o.), sowie die Darstellung als Schutzgöttin ihres verstorbenen Gatten an den Ecken des in Fragmenten erhaltenen und wieder rekonstruierten Steinsarkophags von Echnaton, interpretieren zunehmend mehr Forscher dahingehend, dass sie nach dem Tode Echnatons sogar eine kurze Zeit lang Ägypten alleine regiert hat. Es gibt jedoch weitere Hinweise: nach einer These ist sie identisch mit Semenchkare. Der Ägyptologe Cyril Aldred wies nach, dass der Amarna-Kunststil Unterscheidungen zwischen Männern und Frauen zeigt, je nachdem, ob der Nacken konkav oder konvex ist. Semenchkare und Nofretete haben beide einen weiblichen Nacken, und Semenchkare hat die Titel der Nofretete, „Geliebt von Wa-en-Re“. Wa-en-Re war der Thronname Echnatons. Bei der Inthronisation wurde ein neuer Name angenommen. Dies ist ein starkes Indiz, dass Nofretete unter dem Namen Semenchkare den Thron bestiegen haben könnte. Unklar ist auch, ob Nofretete die Königswitwe war, die an den hethitischen Hof schrieb, um einem hethitischen Königssohn die Heirat anzubieten (so genannte Dachamunzu-Affäre). Neue Nahrung erhielt diese Vermutung durch den Fund des Wracks von Uluburun vor der türkischen Südküste. Ein Schiff aus der Bronzezeit, das samt Fracht und Ausstattung gehoben wurde. Nach Ansicht von Archäologen war es beladen mit Geschenken der ägyptischen Pharaonin Nofretete an den König der Hethiter (Suppiluliuma I.?). Das Schiff wurde nachgebaut und befindet sich heute nebst Funden, darunter ein Skarabäus der Nofretete im Unterwassermuseum in Bodrum.
Tod
Sowohl der Grund für Nofretetes Tod als auch Ort und Zeit sind unbekannt, jedoch wird sie ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr im öffentlichen Leben erwähnt. Vermutungen datieren das Todesjahr auf 1338 v. Chr., dem 14. Regierungsjahr, ihres Ehemanns. Anderen Quellen legen ihren vermuteten Tod in das 12. Regierungsjahr.Es wird spekuliert, ob sie eventuell ermordet oder verstoßen wurde. Auch ein Tod aufgrund einer plötzlichen Erkrankung wird von manchen Forschern erwogen. Wenn sie als Semenchkare die Thronfolge angetreten hat, so verschwand sie nach wenigen Jahren, zusammen mit ihrer Tochter und Mit-Regentin Merit-Aton. In diesen chaotischen Zeiten ist ein Mord aus Nachfolgestreitigkeiten möglich.
Nach der Theorie von Joann Fletcher wurde Nofretetes Mumie 2003 in dem Grab KV 35 im Tal der Könige identifiziert, nachdem sie bis dahin verschollen war. Dies wird von der übrigen Fachwelt aufgrund von widersprüchlichen Indizien stark angezweifelt.
Die Büste
Die Büste der Nofretete wurde 1912 bei Ausgrabungen von Ludwig Borchardt entdeckt und heimlich aus Ägypten nach Berlin gebracht. Man erkannte sofort die vollendete Kunstfertigkeit und den Anmut dieser aus Kalkstein und Gips gefertigten, 47 Zentimeter großen Büste, die sich im Stil der Amarna-Kunst präsentiert. Sie wurde im Atelier des Bildhauers Thutmosis aufgefunden, zusammen mit einer Reihe von unvollendeten Kopien. Ägypten forderte sie mehrfach zurück.
Sie befand sich bis Anfang 2005 im Ägyptischen Museum in Berlin in Charlottenburg. Seit dem 13. August 2005 ist sie auf Zwischenstation im Alten Museum, bevor sie endgültig im Jahr 2009 in das Neue Museum auf der Museumsinsel zurückkehrt.
***
Quelle Wikipedia